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17. Juni 2005, 17:00 Uhr
Eröffnungstagung des Zentrums für dialogische Praxis und Empowerment
- Gusti Steiner gewidmet -

Veranstaltungsort: Tagungsraum in der Begegnungsstätte der Arbeiterwohlfahrt (AWO) in der Fraunhoferstr. 19, 58097 Hagen-Altenhagen

Die Veranstaltung wurde gefördert durch das Programm »Lokales Kapital für soziale Zwecke« - ein Modellvorhaben des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend und des Europäischen Sozialfonds.

Das Programm:

17.00-17.15
Eröffnung durch Herrn Reinhard Goldbach, Leiter der Lokalen Koordinierungsstelle des
EU-Programms LOS (Stadt Hagen/Fachbereich Jugend und Soziales)

17.15-18.00
Karin Roth (Bochum & Altenhagen)
Dialogische Praxis - Entfesselung der Vielstimmigkeit
(Eröffnungsvortrag)

18.00-18.15 - Pause/Buffet

18.15-19.15
Peter Lehmann (Berlin)
Empowerment, Trialog, Selbstbestimmung und angemessene Unterstützung
(Vortrag und Diskussion)

19.15-19.30 - Pause/Buffet

19.30-20.15
Kerstin Kempker (Berlin)
Flucht in die Wirklichkeit – das Berliner Weglaufhaus
(Lesung und Diskussion)

20.15-20.45 - Pause/Buffet

20.45-21.30
Lesung von Kerstin Kempker (Berlin) und Friedrich G. Paff (Marburg)
"lose enden": Kurze Geschichten von lauter Einzelnen. Alle suchen den Ausgang.

Die Gäste:

Kerstin Kempker hat zwei erwachsene Töchter, kam über Mainz, die Schweiz, Lüneburg, Winsen/Luhe, Nürnberg, Hildesheim und Hannover 1984 nach Berlin. Sie hat das Berliner Weglaufhaus, eine Kriseneinrichtung für Psychiatriebetroffene, mit aufgebaut und von 1996 bis 2001 geleitet und ist Mitbegründerin des "Für alle Fälle e.V.". Sie konzipierte 2003 den Literaturwettbewerb "Nehmt mich beim Wort" und gemeinsam mit Bernd Kempker das Literaturfest des Behindertenbeauftragten der deutschen Bundesregierung. 2003 bis 2004 Mitarbeit beim "Aktionsprogramm zur Bekämpfung von Diskriminierungen" der Europäischen Kommission. Literarische Tätigkeit seit 2002. Buchveröffentlichungen: "Mitgift - Notizen vom Verschwinden" (2000); "Flucht in die Wirklichkeit - Das Berliner Weglaufhaus" (Hg. 1998); "Statt Psychiatrie" (Hg. mit Peter Lehmann 1993); "Teure Verständnislosigkeit - Die Sprache der Verrücktheit und die Entgegnung der Psychiatrie" (1991).


Photo Friedrich G. Paff
Friedrich G. Paff, geb.1950 in Bacharach am Rhein. 1983 erschien sein Buch „Die Hexe von Bacharach “, das von der Deportation der Juden dort und der „Euthanasieopfer“ handelt. Friedrich G. Paff lebt in Marburg und war lange Zeit dort Vizevorsitzender der Neuen Literarischen Gesellschaft. Abends unterrichtet er „Deutsch für Ausländer“ in Gießen. Er nahm oft an internationalen Schriftstellertreffen teil, besonders in Moskau oder in Vilnius. Beiträge von ihm wurden übersetzt ins Russische, Litauische, Slowenische, Italienische, Englische, Polnische. Weitere Bücher von ihm: „Da wo die Sprache beginnt“ 1983; „Die Akte Klibansky“ in „Zwischen Unruhe und Ordnung. Ein deutsches Lesebuch“ 1989, und unter dem Namen Andreas Thorn „Das Haus der Romantik“ 2001. 1996 hielt er den Begrüßungsvortrag zu der Marburger Tagung „Die soziale Poetik therapeutischer Gespräche“. In seinem 1988 erschienenen Zyklusauszug „Der Analytiker“ schrieb Paff : „Es gibt Krankheit und Gesundheit, und diesen Ausweg : Patienten zu haben.“ Im Schaffen und Schreiben Paffs bleibt die Erinnerung an einen in Hadamar vergasten Familienangehörigen wach und virulent: „oh ihr Normalen wißt/Verrückte und Kinder/vergessen nicht/ohnmächtig schwach/speien sie euch aus/verschmähen eure Sprache“.


Photo Peter Lehmann
Peter Lehmann. Ausbildung als Diplompädagoge. Heute Autor, Verleger und Versandbuchhändler in Berlin. 1989 Gründungsmitglied des Vereins zum Schutz vor psychiatrischer Gewalt e.V. (Trägerverein des Weglaufhauses Berlin), 1990 von PSYCHEX (Schweiz), 1991 des Europäischen Netzwerks von Psychiatriebetroffenen (ENUSP). Seit 1990 Mitherausgeber des Journal of Critical Psychology, Counselling and Psychotherapy (Großbritannien). Von 1994 bis 2000 Vorstandsmitglied des Bundesverbands Psychiatrie-Erfahrener e.V. (BPE). Seit 2004 ENUSP-Vorstandsmitglied als Vertreter der Region Nordosteuropa. 2002 Gründungsmitglied des Vereins "Für alle Fälle e.V." Seit 2002 designierter Repräsentant für MindFreedom (Support Coalition International) bei den Vereinten Nationen in Genf und Wien.
1986 Gründung des Antipsychiatrieverlags. Eigene Buchveröffentlichungen u.a.: "Der chemische Knebel - Warum Psychiater Neuroleptika verabreichen". Weitere Buchveröffentlichungen u.a.: "Statt Psychiatrie" (1993, Herausgabe gemeinsam mit Kerstin Kempker); "Schöne neue Psychiatrie", Band 1: "Wie Chemie und Strom auf Geist und Psyche wirken"; Band 2: "Wie Psychopharmaka den Körper verändern" (1996); "Psychopharmaka absetzen. Erfolgreiches Absetzen von Neuroleptika, Antidepressiva, Lithium, Carbamazepin und Tranquilizern" (Herausgabe 1998; aktualisierte Neuauflage 2002).



13. & 14. Juni 2005, 12:00-18:00 Uhr

Workshop Basiswissen Psychopharmaka:
»Psychopharmaka selbständig dosieren, Ver-rücktheit steuern«!

Veranstaltungsort: Offene Lutherkirche in Hagen (Raum der Frauenhilfe), Martin Luther Str. 3, 58095 Hagen.

Das Seminar wurde gefördert durch das Programm »Lokales Kapital für soziale Zwecke« - ein Modellvorhaben des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend und des Europäischen Sozialfonds.

Seminarleitung:
Matthias Seibt (Bundesverband Psychiatrie-Erfahrener e.V.)
Karin Roth (Zentrum für dialogische Praxis und Empowerment, Hagen)

Die Themen:
- Was sind Psychopharmaka?
- Wie wirken verschiedene ausgewählte Psychopharmaka?
- Wie lerne ich die individuelle Wirkung der Psychopharmaka auf mich selbst kennen?
- Psychopharmaka in der Krise
- Psychopharmaka zur Vorbeugung
- Reduzieren und Absetzen von Psychopharmaka
- Psychopharmaka und Niedergeschlagenheit (Depression)

Der zweite Schwerpunkt des Seminars lag auf Ver-rücktheit steuern. Verschiedene Möglichkeiten, Ver-rücktheitszustände zu steuern wurden behandelt:

- Erkennen, "wann es wieder losgeht"
- Psychopharmaka selbständig dosieren
- Alternative Methoden
- Begleitung durch Freunde, Freundinnen und Bekannte
- Alltagspraktische Tipps (Ernährung, Schlaf, Arbeit usw.)

Photo Matthias Seibt
Matthias Seibt ist Jahrgang 59.
7 Jahre Konsum von Psychopharmaka nach Psychiatrieaufenthalt. Seit 91 in der Selbsthilfe Psychiatrie-Erfahrener aktiv, seit 94 Diplom-psychologe. 92 bis 98 im Geschäftsführenden Vorstand des Bundesverbands Psychiatrie-Erfahrener e.V. (BPE).

Seit Juli 99 mit Unterbrechungen Angestellter des BPE.
Spezialgebiete u.a. Psychopharmaka und Ver-rücktheit steuern.




20. Juni 2005, 12:00-18:00 Uhr
Vom «Schützling» zum «Selbstbestimmt Leben mit Persönlicher Assistenz»

Veranstaltungsort: Offene Lutherkirche in Hagen (Raum der Frauenhilfe), Martin Luther Str. 3, 58095 Hagen.

Das Seminar wurde gefördert durch das Programm »Lokales Kapital für soziale Zwecke« - ein Modellvorhaben des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend und des Europäischen Sozialfonds.

Seminarleitung:
Alexandra Franz (MOBILE – Selbstbestimmtes Leben Behinderter e.V., Dortmund)
Karin Roth (Zentrum für dialogische Praxis und Empowerment, Hagen)

Abstract:
Langsam entwickelt sich unsere Gesellschaft weg von einer Praxis, die behinderte Menschen hospitalisiert, beschützt und bevormundet hin zu einer Praxis des Empowerment, die sich an der Selbstbestimmung Betroffener orientiert.
Für die einen sind die Ideen und Ansätze der Selbstbestimmt Leben Bewegung inzwischen Normalität, für andere noch immer unrealistisches und viel zu kostenintensives oder idealistisches Wunschdenken.
Wenn nicht-behinderte Menschen aus dem Bereich der Behindertenhilfe mit dem Begriff des Kunden/der Kundin (=behinderter Mensch, der über seine notwendige Hilfe als Auftraggeber frei entscheidet) konfrontiert werden, löst dies nicht selten große Aufregung aus.

Wie wird ein selbstbestimmtes Leben nun umgesetzt? Die Gesetzgebung bietet inzwischen einige Optionen, um für behinderte Menschen ein Leben jenseits von Fremdbestimmung, Entmündigung und Zwang zu ermöglichen bzw. zu erleichtern - eine Entwicklung, die vor allem durch den langjährigen, hartnäckigen Kampf Betroffener selbst initiiert wurde.

Gemeinsam wollen wir in diesem Seminar die Entwicklung vom «Schützling» zur selbstbestimmten Organisation der Hilfen mit Persönlicher Assistenz betrachten. Kernpunkte des Ansatzes der Persönlichen Assistenz sind, daß Hilfeabhängige sich die AssistentInnen aussuchen, sie anleiten, unter ihren Vorstellungen einsetzen und bezahlen.
Wir wollen über die verschiedenen Möglichkeiten eines selbstbestimmten Lebens sowie über Vorteile und Nachteile der einzelnen Optionen reden. Mit Hilfe kleiner Übungen soll die Selbstreflexion zu diesem Thema angeregt werden.

Alexandra Franz ist Diplom-Pädagogin, Mitautorin des zweibändigen Handbuchs "Selbstbestimmt Leben mit Persönlicher Assistenz“ sowie Autorin des Buches "Selbstbestimmt Leben mit Persönlicher Assistenz – eine alternative Lebensform behinderter Frauen“. Sie arbeitet seit 2001 als Mitarbeiterin des Vereins MOBILE – Selbstbestimmtes Leben Behinderter e.V. in den Bereichen Beratung, Schulung und Qualifizierung von AssistentznehmerInnen. Seit 2004 ist sie im Modellprojekt „Selbstbestimmt Leben mit Persönlicher Assistenz – Schwerpunkt Arbeitsassistenz SGB IX“ tätig. Sie engagiert sich für die Interessen behinderter Frauen und ist Mitglied der Arbeitsgemeinschaft "disability studies in Deutschland“.



Förderung durch:
Logo Europäische Union Europäischer Sozialfonds

Logo LOS Lokales Kapital für soziale Zwecke

Logo Bundesministerium für Familie, SeniorInnen, Frauen und Jugend

JE SUIS CHARLIE

  letzte Aktualisierung:
  11.11.2017, Karin Roth