Banner: Sozialkonstruktionistische Forschung und Praxis


Informationen in leicht verständlicher Sprache:

Das Persönliche Budget

Das Yael Elya Institut bietet Ihnen

People First und andere Selbsthilfeverbände behinderter Menschen haben viele Jahre für Selbstbestimmung gekämpft. Die Ausdauer hat sich gelohnt. Seit dem 1. Januar 2008 haben behinderte Menschen ein Recht darauf, sich ihre Hilfen so zu gestalten, wie sie es möchten. Das geht mit Hilfe des Persönlichen Budgets.

Im Folgenden finden Sie Informationen zum Persönlichen Budget, die eng an die Broschüren in leichter Sprache des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales angelehnt sind.

Was ist das Persönliche Budget?
Budget ist ein anderes Wort für Geld. Das Wort Budget kommt aus der französischen Sprache.
Man spricht es so aus: BÜDSCHEH.

Das Persönliche Budget ist Geld, das behinderte Menschen selbst bekommen können.
Damit können sie ihre Hilfe und Unterstützung selbst gestalten und selbst bezahlen. 
Sie können dadurch vieles in ihrem Leben selbst bestimmen, was vorher nicht möglich war.

Wie war es vorher, also als es noch kein Persönliches Budget gab?
Anna wohnte zum Beispiel in einem Wohnheim. Das Wohnheim bekam Geld vom Sozialamt.
Mit dem Geld bezahlte das Wohnheim zum Beispiel ihre Betreuer.

Wie ist es, wenn Anna Persönliches Budget beantragt und bekommt? 
Anna bekommt das Geld dann selbst in die Hand. Sie wird Arbeitgeberin.
Das bedeutet, mit dem Geld stellt sie Helferinnen und/oder Persönliche Assistentinnen ein. Das sind Menschen, die sie sich selbst aussucht. Und von denen sie Sie glaubt, daß sie ihr so helfen, wie sie es braucht und wünscht. Menschen, die ihr gut gefallen und die ihr gut tun. Menschen, von denen sie sich geachtet fühlt. 

Wer kann das Persönliche Budget beantragen?
Alle behinderten Menschen können einen Antrag stellen. Auch Kinder und Jugendliche können das Persönliche Budget bekommen. Die Eltern müssen dann den Antrag schreiben.

Welche Hilfen kann man mit dem Persönlichen Budget bezahlen?
Es gibt in Deutschland verschiedene Hilfen für behinderte Menschen. Diese Hilfen heißen Hilfe zur Teilhabe. Alle Hilfen zur Teilhabe können Sie mit dem Persönlichen Budget bezahlen.

Zum Beispiel: 

Was bedeutet "Trägerübergreifendes Persönliches Budget"?
Die Hilfen, die behinderte Menschen bekommen, werden meistens von verschiedenen Stellen bezahlt. Zum Beispiel vom Sozialamt und von der Krankenkasse und von der Pflegekasse. Diese Stellen heißen Träger. Bei dem Persönlichen Budget arbeiten alle Träger zusammen.
Was bedeutet das für behinderte Menschen?
Früher mußte man für jede Hilfe einen eigenen Antrag stellen. Bei dem Persönlichen Budget muß man nur noch einen einzigen Antrag stellen. Bei Bewilligung, bekommt man dann das Geld für alle Hilfen
zusammen auf das eigene Konto. Man spricht also nur noch mit einem Träger und dieser setzt sich dann mit den anderen Trägern in Verbindung.

Wieviel Geld können Sie bekommen?
Das kann sehr unterschiedlich sein, je nachdem, wieviel Hilfe Sie brauchen. Sie bekommen aber meistens nicht mehr Geld, als Ihre Hilfen vorher gekostet haben. Manchmal bekommen Sie auch Gutscheine für Ihre Hilfen.

Wie oft bekommen Sie das Persönliche Budget?
Meistens bekommen Sie das Geld einmal im Monat. Mit dem Geld müssen Sie dann für den ganzen Monat Ihre Hilfen bezahlen. Manchmal bekommen Sie das Geld auch nur einmal. Zum Beispiel, wenn Sie das Geld für einen Rolli brauchen.


Das Persönliche Budget hat viele Vorteile!

Einige Menschen haben Angst davor, sich für das Persönliche Budget zu entscheiden. Sie stellen keinen Antrag, weil sie zum Beispiel denken, daß sie durch das Persönliche Budget weniger Hilfe bekommen. Das stimmt aber nicht. Die meisten behinderten Menschen finden das Persönliche Budget sehr gut, denn es macht sie freier. Sie können viel mehr entscheiden!


Wie bekommen Sie das Persönliche Budget?

1. Schritt: Sie stellen einen Antrag.

Wenn Sie das Persönliche Budget wollen, müssen Sie einen Antrag schreiben. In den Antrag schreiben Sie: Ich möchte das Persönliche Budget haben. Und Sie schreiben, wofür Sie das Persönliche Budget brauchen. Und welche Zwecke Sie damit erreichen wollen.
Sie schicken den Antrag zum Beispiel an die Krankenkasse, Pflegekasse, Rentenversicherung, an das Jugendamt, Sozialamt, Integrationsamt oder an die Agentur für Arbeit. Diese Stellen heißen Träger.
Die Träger bezahlen das Persönliche Budget.
Was macht der Träger mit dem Antrag?
Der Träger prüft, ob er zuständig ist. Wenn er nicht zuständig ist, muß er den Antrag sofort
an den richtigen Träger geben.


2. Schritt: Ein Gespräch über Ihre beantragten Hilfen findet statt.

Die Träger müssen wissen, welche Hilfen Sie brauchen. Darum gibt es ein Gespräch über Ihre Hilfen.
Wer ist bei dem Gespräch dabei? 
Sie selbst sind dabei und die Träger, die Ihre Hilfen bezahlen sollen. Wenn Sie möchten, können Sie zu dem Gespräch auch jemanden mitbringen, dem Sie vertrauen.
Über was wird gesprochen? 
Gesprochen wird über Folgendes:
Was ist der Beauftragte?
Sie bekommen die Hilfen vielleicht von mehreren Trägern. Sie müssen aber nicht immer mit allen Trägern reden. Darum gibt es einen Träger, der für Ihren Antrag zuständig wird. Dieser Träger ist dann Ihr sogenannter Beauftragter. Der Beauftragte paßt auf, daß alle Träger gut zusammenarbeiten. 


Schritt 3: Ein Vertrag über Ihre Hilfen wird gemacht. Dieser Vertrag heißt Zielvereinbarung.

In der Zielvereinbarung steht: 
Schritt 4: Sie bekommen einen Bescheid.

Sie bekommen einen Brief von dem beauftragten Träger. Dieser Brief heißt Bescheid. In dem Brief steht nämlich die Entscheidung der Träger, wieviel Persönliches Budget Sie bekommen. Und wofür Sie es bekommen. (Oder es steht drin, daß das Persönliche Budget nicht bewilligt wurde. Das erfahren Sie aber mündlich meist schon in dem Gespräch - siehe Schritt 2.)

Wenn Sie mit dem Bescheid nicht einverstanden sind, können und sollten Sie dagegen Einspruch erheben. Das heißt, Sie schreiben einen Brief, in dem steht, daß Sie nicht einverstanden sind. Am besten Sie lassen sich hierbei von einem Anwalt oder einer Anwältin helfen. Vielleicht ändert der Träger dann den Bescheid. Oder ein Gericht entscheidet, daß der Träger den Bescheid ändern muß.

Für wie lange wird das Persönliche Budget bewilligt?
Normalerweise für 2 Jahre. Spätestens nach 2 Jahren gibt es wieder ein Gespräch über Ihr Persönliches Budget. Dann wird geschaut, ob die Hilfen noch passend für Sie sind.


Wenn Sie viel Beratung und Unterstützung brauchen, dann schreiben Sie das am besten auch genau so in Ihren Antrag. Der Träger kann Ihnen nämlich auch für diese Beratung und Unterstützung Persönliches Budget bewilligen. 


Ein Beispiel einer Frau, die das Persönliche Budget beantragt und bekommen hat -
"Frau Blau"

Wer ist Frau Blau?
Frau Blau lebt seit 4 Jahren in ihrer eigenen Wohnung. Sie ist von Geburt an körperlich beeinträchtigt.
Sie ist Rollifahrerin. Früher hat sie Hilfe von einem Pflegedienst bekommen. Der Pflegedienst hat das Geld vom Amt bekommen. Seit 2 Jahren kümmert sie sich selbst um ihre Hilfe. Dafür bekommt sie das Persönliche Budget.

Warum wollte Frau Blau das Persönliche Budget?
Es hat sie gestört, daß sie nicht selbst bestimmen konnte, wann der Pflegedienst ihr helfen soll. Sie brauchte Hilfe beim Aufstehen. Der Pflegedienst kam immer morgens um 8 Uhr. Das bedeutet, Frau Blau mußte immer um 8 Uhr aufstehen! Sie konnte nie länger schlafen. Abends kam der Pflegedienst immer um 19 Uhr. Wenn Frau Blau abends länger ausgehen wollte, war das kaum möglich.

Bei dem Pflegedenst gab es unterschiedliche Hilfen. Für jede Hilfe kam eine andere Person. Eine Person kam zum Beispiel nur für die Pflege. Eine andere Person kam nur zum Putzen oder Kochen. Das hat Frau Blau gestört. Sie wollte die Hilfe nur von Frauen bekommen. Beim Pflegedienst konnte sie sich das nicht aussuchen.

Was ist mit dem Persönlichen Budget jetzt anders?
Frau Blau entscheidet selbst, wer sie unterstützen soll. Bei ihr arbeiten jetzt nur noch Frauen. Und sie sucht die Persönlichen Assistentinnen selbst aus. Sie bezahlt sie auch selbst. Sie entscheidet selbst, wie viel Hilfe sie braucht. Eine Persönliche Assistentin kommt jeden Tag. Andere kommen nur, wenn Frau Blau mehr Hilfe braucht.

Frau Blau entscheidet also auch selbst, wann sie die Hilfe braucht. Sie  bespricht mit ihren Assistentinnen, wann sie kommen sollen. Wenn sie länger schlafen will, kommen die Assistentinnen später. Und wenn sie abends ausgehen möchte, ist das auch kein Problem.

Die Assistentinnen haben alle die gleichen Aufgaben.
Alle können bei der Pflege helfen.
Alle können putzen.

Frau Blau bekommt jetzt sogar mehr Hilfe als früher. Der Pflegedienst hat nicht nur Geld für die Pflege bekommen. Er hat auch Geld für andere Dinge bekommen, zum Beispiel dafür, daß er Rechnungen schreiben mußte. Die Rechnungen schreibt Frau Blau jetzt selbst, denn sie ist ja die Arbeitgeberin. Darum bekommt sie das Geld für diese Aufgaben noch dazu. Mit dem Geld kann sie mehr Hilfe bezahlen.

Wie hat Frau Blau das Persönliche Budget bekommen?
Sie hat sich beraten lassen. Sie ist zu ForseA gegangen (das ist ein Verein der von behinderten Menschen aufgebaut wurde) und hat mit behinderten Menschen gesprochen, die bereits ein Persönliches Budget haben. Diese Menschen haben sie beraten und helfen ihr auch heute noch, wenn es Probleme gibt.

Wie gefällt Frau Blau das Persönliche Budget?
Am Anfang war das mit dem Persönlichen Budget nicht so leicht, denn es war vieles neu und mußte gelernt werden. Aber das ist immer so, wenn etwas neu ist. Das Persönliche Budget ermöglicht ein selbstbestimmtes Leben, aber es macht auch Arbeit. Früher hatte sich ja der Pflegedienst um alles gekümmert. Zum Beispiel hatte der Pflegedienst die Pflegekräfte ausgesucht und bezahlt. Heute tut Frau Blau das selbst: sie sucht ihre Persönlichen Assistentinnen selbst aus und bezahlt sie selbst. Sie ist sehr zufrieden mit dem Persönlichen Budget. Denn sie kann jetzt viel mehr selbst entscheiden. Sie kann sich die Hilfen kaufen, die sie haben möchte. Das hat sie sich schon immer gewünscht.



Förderung durch
Logo Europäische Union Europäischer Sozialfonds

Logo LOS Lokales Kapital für soziale Zwecke
Logo Bundesministerium für Familie, SeniorInnen, Frauen und Jugend

  letzte Aktualisierung:
  17.09.2017, Karin Roth