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BEISPIELE UNTERSCHIEDLICHER ORGANISATIONSFORMEN VON HILFE IM RAHMEN DES PERSÖNLICHEN BUDGETS

Mit dem Persönlichen Budget können ganz unterschiedliche Organisationsformen von Hilfe finanziert werden, z.B.

Das Modell der Persönlichen Assistenz


Persönliche Assistenz ist eine Form der persönlichen Hilfe, die idealerweise alle Formen alltäglicher Hilfe- und Unterstützungsleistungen umfasst, die behinderten und/oder psychiatrieerfahrene Menschen einen selbstbestimmten Alltagsablauf und eine gleichberechtigte Teilhabe an wichtigen gesellschaftlichen Lebensvollzügen ermöglichen. Die Regie liegt dabei bei den Betroffenen selbst.

Im Idealfall heißt das, dass sie oder er

Persönliche Assistenz ist als Gegenprogramm zur fremdbestimmten Verwaltung von Hilfen in ambulanten und stationären Einrichtungen, aber auch als Gegenprogramm zur Pädagogisierung, Psychologisierung bzw. Professionalisierung des Alltags behinderter und psychiatrieerfahrener Menschen generell zu verstehen. Das Modell der Persönlichen Assistenz wurde in der Politischen Selbsthilfebewegung behinderter Menschen entwickelt (vgl. dazu das von MOBILE e.V. herausgegebene Buch aus dem Jahr 2002 "Selbstbestimmt Leben mit Persönlicher Assistenz. Band A - Ein Schulungskonzept für AssistenznehmerInnen. Band B - Ein Schulungskonzept für Persönliche AssistentInnen", Neu Ulm: AG SPAK).

Kompetenzen sind die Kernpunkte des Modells der Persönlichen Assistenz.
Kompetenz heißt Zuständigkeit, Anordnungsrecht.
Die Hilfeabhängigen/Assistenznehmenden haben alle 4 Kompetenzen inne:
  1. Personalkompetenz;
  2. Anleitungskompetenz;
  3. Finanzkompetenz;
  4. Organisationskompetenz.

Persönliche Assistenz kann hohe fachliche Kenntnisse voraussetzen oder keine formalen Qualifikationen erfordern, für einige wenige Stunden wöchentlich in Anspruch genommen werden aber auch bis zu 24 Stunden täglich.

Persönliche Assistenz / Direkte Assistenz

Wie bereits erwähnt, ist das Kriterium für die Organisationsform der Hilfe nach dem Modell der Persönlichen Assistenz die Wahrnehmung der Personal-, Anleitungs-, Organisations- und Finanzkompetenz durch die AssistenznehmerInnen (klassisches ArbeitgeberInnenmodell).
Sogenannte „graue Arbeitsverhältnisse“ werden jedoch auch zur Realisierung von Persönlicher Assistenz eingesetzt. Dabei handelt es sich um Formen selbstorganisierter Hilfe und Pflege, bei denen die AssistenznehmerInnen keine Arbeitgebernummer beantragt haben. Sie stellen ihre Teams von Persönlichen AssistentInnen überwiegend aus dem Studierendenbereich zusammen.

Indirekte Assistenz

Bei Inanspruchnahme von Indirekter Assistenz wird die Assistenz über eine Assistenzorganisation, einen Assistenzverein oder eine Assistenzgenossenschaft realisiert.
Die Assistenzkundin nimmt die Anleitungs- und Organisationskompetenz weitgehend wahr, während die Realisierung der Personalkompetenz u.U. eingeschränkt ist, wenn z.B. so genannte Springer von der Assistenzorganisation gestellt werden.
Die Wahrnahme der Finanzkompetenz wird an die Assistenzorganisation abgegeben.
Um die Realisierung der Grundsätze des Prinzips der Persönlichen Assistenz so weit wie möglich sicherzustellen, wird das Instrument der NutzerInnenkontrolle eingesetzt: Die AssistenzkundInnen haben die Kontrolle über die Assistenzorganisation und entscheiden mehrheitlich über die Belange dort.

Hilfe von professionellen HelferInnen mit einer an Selbstbestimmung und Empowerment orientierten Fachlichkeit

Vor allem pädagogisch geprägte, therapeutische oder sozialarbeiterische Hilfen lassen sich nicht unter das in der Politische Selbsthilfe behinderter Menschen entwickelte Modell der Persönlichen Assistenz fassen, denn mindestens eine der Kompetenzen wird in diesem Hilfeverhältnis von der Kundin nicht wahrgenommen, nämlich die Anleitungskompetenz. Der Begriff Persönliche Assistenz ist deshalb für diese Art von Hilfen unzulässig.

Ein paar Worte zur Hilfe durch unbezahlte Helfer und Helferinnen

Hilfe durch unbezahlte Helferinnen darf − wie die pädagogisch-psychologischen Hilfen auch − keinesfalls mit Persönlicher Assistenz gleichgesetzt werden. Diese Organisationsform bietet keine verlässlichen Strukturen. Die Finanzkompetenz wird nicht wahrgenommen. Inwieweit die Betroffenen ihre Personal-, Anleitungs- und Organisationskompetenz wahrnehmen, ist individuell unterschiedlich und oft z.B. vom Guten Willen der Helfenden und von der eigenen Durchsetzungskraft abhängig. Diese Form der Organisation von Hilfe birgt eine hohe Gefahr des Fremdbestimmtwerdens.




Förderung durch:
Logo Europäische Union Europäischer Sozialfonds

Logo LOS Lokales Kapital für soziale Zwecke

Logo Bundesministerium für Familie, SeniorInnen, Frauen und Jugend

JE SUIS CHARLIE

  letzte Aktualisierung:
  17.09.2017, Karin Roth