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Das »Ich« ist das Wunder des »Du«.
- Edmond Jabès -

„Da haben wir gelächelt in die Gesichter der Monster und Hände gereicht in dumpfem Vertrauen denen, die vor uns standen (…) unseren Gehorsam bewachend im Hochsicherheitstrakt unserer Erziehung.“ (Gertrud Seehaus-Finkelgruen, Damals)

 

Bonjour und willkommen,

"Ich bin auch so ein Systemsprenger", sagte sie, nachdenklich. Verwundung. Sichtbar im abgewandten Blick. Dann:   Stille.
Lange Momente.
Später ein Blitz in ihren Augen. Stolz fast. Ein Aufbäumen. Lebendigkeit. Vitalität.
Beziehungen.
Verletzungen.
Verletzlichkeiten.
Wir, mittendrin, hineingeworfen in die Vulnerabilität des Lebens selbst, werden formiert und deformiert, formieren und deformieren uns selbst darin. Und unsere Wirklichkeiten. Aktiv. In jedem Moment. Relational mitverantwortlich.

Mit Glück schaffen wir irgendwann eine innere Beobachterin in uns, die auf diese Prozesse schauen lernt. Mit Distanz. Und Worte findet.

Welche Worte, das hängt von der Theorie ab, die wir zugrundelegen.
Ich, seit Jahren im relationalen Denken zuhause, interessiere mich für Personen-Raum-Zeit-Kontexte und wie wir diese und uns darin erschaffen, wie diese uns geprägt haben und wie wir uns darin prägen, in rekursiven Wechselwirkungen als multiple Selbste in Netzten von Beziehungen. Andere schauen anders und sprechen anders über das, was üblicherweise „das Selbst“ genannt wird.

Theorieabhängig immer, wie wir damit umgehen, wenn beispielsweise scheinbar aus dem Nichts Rückzüge uns treffen. Oder Ausbrüche, Selbstverletzung, Fremdverletzung, massive Gebärden und Worte wie Messer (alldas aber ist nie so massiv wie die erlebte Gewalt der Betroffenen).  
Was sehen wir darin? Wagen wir eine Benennung? Wenn ja, welche Worte wählen wir, welche Erklärung, welche Bewertung? Benennung zeigt immer auf uns zurück und das, was wir gelernt haben wie zu sehen, zu fokussieren und zu benennen. Oder wagen wir derlei nicht, vor allem nicht für andere?
Selbstbilder, Fremdbilder, Denk- und Handlungsoptionen formen wir im relationalen Denken in und durch die Beziehungsnetze, die aktuell und früher gelebten ... (De)Formationen inklusive, die wir im Jetzt weiter aktualisieren. Und manch ein Wesen wird durch Therapie- und Behandlungsansätze stabilisiert in der Chronifizierung. Stabilisiert sich selbst darin.
Die politische Behindertenbewegung legt seit den 70 Jahren bereits ihren Finger darauf.

Ich arbeite mit Menschen, die als "psychisch chronisch krank" gelten und Ziel meines Instituts ist primär die Ingangsetzung und Begleitung von Enthospitalisierungs- und Entchronifizierungprozessen.

Die Form meiner Arbeit: Begleitung und rekonstruktives, dekonstruktives Gespräch, Da-Sein, Präsent-Sein, ganz individuell arbeite ich, relational denkend. Jede/r benötigt etwas anderes und was das jeweils ist, kann jede Klientin selbst mir sagen. Wenn ich sie dazu einlade. Dabei lege ich den Blick - statt auf Diagnosen - auf Vulnerabilität einerseits, auf Resilienz andererseits und das eigene Gewordensein in den Netzen von Beziehungs- und Denk-Traditionen und interessiere mich für deren Wirkungen auf die Selbst- und Weltkonstruktionen.

Der andere Bereich, in dem ich gerne und regelmäßig seit 1998 arbeite, ist die Lehre. Ich bin angestellte Lehrerin für Psychiatrie und Kommunikation am Ita Wegman Berufskolleg.

Ich berate zudem psychiatriebetroffene Menschen und ihre Angehörigen bundesweit kostenfrei im Bereich "Selbstbestimmt Leben mit Persönlichem Budget" und unterstütze lokal bei der Organisation emanzipatorischer Hilfen.



«Keine Antwort – und sei sie auch noch so überzeugend –
wird jemals kraftvoll genug sein,
um für alle Zeit der Frage widerstehen zu können,
welche, früher oder später, das Wort an sie richten wird.
Eine Idee, die ihrer selbst so sicher ist,
daß sie sich um die andern schon gar nicht mehr kümmert,
ist, als Idee, tot, bevor sie noch geboren wird.
Nichts – auch nur vorläufig anzunehmen,
was nicht vorab schon ein wenig der systematischen Infragestellung widerstanden hätte,
das müßte heute, mehr als in der Vergangenheit, zum Prinzip erhoben werden.
Unsere beste politische Waffe ist und bleibt die Frage.»

- Edmond Jabès, 1989 -

«Denken Sie nicht aus einem Grund, das ist gefährlich. Denken Sie aus vielen Gründen.» (Ingeborg Bachmann)


«In jedem von uns (...) gibt es ein Buch,
das uns in Vokabeln verwandelt (...).
Einem jeden Wort, einer jeden Vokabel
entspricht ein Herzschlag.»



«Nach “Yaël” – “Elya”; nach dem
Wort, das auf das Buch aus ist,
das Buch, das sich dem Wort
verweigert.»

- Edmond Jabès -



Förderung durch:
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  letzte Aktualisierung:
  09.07.2021, Karin Roth